Das Spiel vom Sich-passend-machen – und warum es dich müde macht

Hast du dich schon mal dabei erwischt, wie du anders reagierst, als es sich für dich richtig anfühlt – nur um keinen Konflikt auszulösen? 

Ein Ja gesagt, obwohl dein ganzer Körper Nein geschrien hat? 

Gelächelt, obwohl dir nach Weinen war? 

Geschwiegen, obwohl du innerlich kochtest? 

 

Das ist das Spiel vom Sich-passend-machen. 

Und es macht uns müde bis in die Knochen. 

 

Warum wir uns passend machen 

 

Von klein auf lernen wir: 

 

Sei brav, dann wirst du geliebt. 

 

Sei stark, dann wirst du respektiert. 

 

Sei hübsch, fleißig, funktional – dann passt du in die Welt. 

 

Wir passen uns an Rollen an: Tochter, Sohn, Arbeitnehmer:in, Partner:in. 

Wir formen uns nach Erwartungen – von außen, aber irgendwann auch von innen. 

So sehr, dass wir glauben: „Das bin ich.“ 

Dabei sind wir längst eine Version von uns, die mehr mit den Wünschen anderer zu tun hat als mit uns selbst. 

 

Der Preis: innere Leere 

 

Dieses Spiel fordert seinen Tribut: 

 

Du bist müde, auch wenn du genug schläfst. 

 

Du fühlst dich leer, auch wenn du „alles hast“. 

 

Du bist reizbar, obwohl du Frieden willst. 

 

Dein Körper meldet sich mit Enge, Druck oder Unruhe. 

 

Nicht, weil du schwach bist. 

Sondern weil dein System die Daueranpassung nicht mehr tragen will. 

 

Urweiblichkeit & Urmännlichkeit – die vergessene Erinnerung 

 

Wir verwechseln oft Rollen mit Essenz. 

Urmännlich heißt nicht: hart, kontrolliert, unerschütterlich. 

Urweiblich heißt nicht: lieb, hingebungsvoll, gefällig. 

 

Das sind verzerrte Bilder, die uns klein halten. 

In Wahrheit tragen wir alle beides: 

 

Urweiblich = fühlen, nähren, verbinden. 

 

Urmännlich = stehen, schützen, klären. 

 

Wenn wir uns passend machen, verraten wir diese Kräfte. 

Und kein Wunder, dass wir uns dann „bäh“ fühlen – wir leben gegen unsere Natur. 

 

Warum es dich müde macht 

 

Passend machen = Energieverlust. 

Du hältst dich zurück, statt frei zu fließen. 

Du schluckst Worte, statt zu sprechen. 

Du lächelst, statt zu zeigen, was wirklich da ist. 

 

Und jedes Mal zahlst du mit einem Stück Lebenskraft. 

Kein Wunder, dass du dich müde fühlst, auch wenn „nichts“ war. 

Das Anpassen selbst ist der Raub. 

 

Der Ausstieg: kleine Schritte zurück 

 

  1. Erkennen

Frag dich im Alltag: „Passe ich mich hier gerade an, oder bin ich echt?“ 

 

  1. Ehrlich benennen

„Ich will das nicht.“ 

„Das fühlt sich nicht stimmig an.“ 

„So passt es für mich.“ 

Es muss nicht laut sein – nur ehrlich. 

 

  1. Mini-Entscheidungen üben

– Nein zum Treffen, das dir Energie raubt. 

– Ja zu einem Abend allein, auch wenn andere maulen. 

– Zeig einmal deine Traurigkeit, auch wenn es „nicht passt“. 

 

Es sind diese Mini-Schritte, die dich zurück zu dir führen. 

 

Was dann passiert 

 

Plötzlich merkst du: 

 

Dein Atem wird tiefer. 

 

Deine Müdigkeit weicht Lebendigkeit. 

 

Dein Körper fühlt sich leichter an. 

 

Deine Beziehungen werden klarer – manche tiefer, manche lösen sich. 

 

Weil du aufgehört hast, eine Rolle zu spielen. 

Weil du aufgehört hast, dich passend zu machen. 

Weil du wieder du bist. 

 

Zum Schluss 

 

Sich passend zu machen wirkt harmlos – ist es aber nicht. 

Es frisst deine Lebenskraft und hält dich fern von deiner Essenz. 

 

Du bist nicht hier, um in Rollen zu passen. 

Du bist hier, um du zu sein – roh, echt, unverhandelbar. 

 

Und wenn du dich wieder fremd oder müde fühlst, erinnere dich: 

Es ist nicht, dass du kaputt bist. 

Es ist nur, dass du dich gerade wieder zu passend gemacht hast. 

 

Der Weg zurück beginnt jetzt – mit einem Atemzug, einem klaren Nein, einem echten Ja. 

 

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